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Pakistan – Ploetzlich war die Strasse weg!

Pakistan – Ploetzlich war die Strasse weg!

Wenn man Pakistan kurz zusammenfassen will, was unmöglich ist, könnte man es folgendermassen versuchen: Die nettesten Menschen der Welt und die schlechtesten Straßen des Universums. Wir sind seit dem letzten Eintrag gerade mal 200 Kilometerweit weit gekommen, aber die letzten 2 Tage waren Klasse. Schuld daran sind die Pakistaner, die unglaublich offen, freundlich und herzlich sind, was wir so echt nicht erwartet hatten. Aber der Reihe nach:

Nach unserem letzten Eintrag sind Robbie und Ich durch Quetta, einer der größten Städte der Provinz Baluschistan, marschiert, um erstmal Geld zu wechseln. Bei Cash kein Problem, Travellerschecks Euro unmöglich. Die kennen den Euro glaub ich noch nicht…

Nach ein paar Einkaeufen (Brot, Sonnenbrille, Socken) gings dann raus aus Quetta Richtung Multan, was wir eigentlich an dem Tag erreichen wollten. Der Rausweg war recht kompliziert, da wir Nachts direkt ins Zentrum gefahren waren, dass dann jedoch um 12 Uhr stockvoll war mit Kleinbussen, Grossbussen, Taxis, Rikschahs, Motorradfahrern, Autos, Eselkarren, Kühen, Fahradfahrern und Sachen die ich noch nicht gesehen hab. Jedenfalls hat es ewig gedauert bis wir draussen waren und Tom war danach mit den Nerven fix und fertig (pakistanische Rushhour ist besser wie jedes PS2-Game).

Wir haben uns immer fleissig durchgefragt und auch auf den Schildern stand Multan angeschrieben, allerdings ist mir dann nach 30 Kilometern aufgefallen, dass wir auf dem falschen Highway fahren, der ein Riesenumweg gewesen wäre und uns über 200 Kilometern mit partly surfaced Roads geführt hätte. Und nachdem die Pakistanischen Highways schlechter sind als die schlechten Feldwege bei uns, wollten wir gar nicht ausprobieren wie schlecht eine Straße sein muss, um von den Pakistanis als schlechtbezeichnet zu werden.

Lange Rede kurzer Sinn: Wir sind sofort umgedreht, und obwohl die ganze Sache nur 60 Kilometer gekostet hätte, hat es uns in Pakistan fast den ganzen Tag gekostet. Plötzlich waren wir wieder in dem Scheiß-Stadtverkehr mitten im Chaos. Tom, vorher schon am Ende, ist dann irgendwann links abgebogen und hat sich ablegen müssen.

Ich bin dann erstal zum Rasieren und hab dabei einen krassen Pakistani kennengelernt. Ich lauf in den Salon rein und dachte eigentlich dass er der Bartschneider ist und frag ihn irgendwas. Er war dann aber gar kein Bartschneider sondern einfach nur so rumgehangen. Nach dem rasierenlassen musste ich feststellen, dass der Pakistani für mich bezahlt hatte. Mir kam der irgendwie total strange vor, erst recht nachdem er mir sagte, das mit mir etwas besprechen will und ob ich mit ihm mitkommen kann. Wollt der mir Waffen, einen Teppich oder Drogen andrehen, wollt er dass ich ihn und seine Familie nach Deutschland hole? Er hat sich dann jedoch als harmlos rausgestellt, war Student und wollte nur wissen, was ein Westler von Pakistan und dem Islam hält. Da Tom und Robbie sich eh aufs Ohr gehaut haben, liess ich mich mit ihm auf ein längeres Gespräch in einer Teestube ein, und er war echt cool. Hatte sehr moderne Ansichten, war zwar Muslim aber total liberal und offen. Sehr interessanter Mensch! Jedenfalls hab ich ihn gefragt, wo es auf den Highway nach Multan geht, und der ist dann sofort mitgekommen, hat uns bestinmmt 20 Kilometer auf den Highway geguided und ist dann im naechsten Dorf abgesprungen, nachdem wir nach Stunden endlich auf der richtigen Straße waren, die wir wahrscheinlich nie gefunden haetten. Der Typ wollte weder Geld, noch irgendwas und meinte immer nur, es wäre seine Pflicht( It’s my Duty to help you). Dieser Satz spiegelt die Pakistanische Mentalität und Gastfreundschaft Fremden gegenüber.

Wir sind dann gerade mal noch 100 Kilometer gekommen, weil die Straße war urplötzlich wieder unter aller Sau. Schlagöcher, Schlagkrater, Speedbraker, irre Busfahrer und so weiter. Wir sind dann mitten im Nirgendwo gestoppt, weils echt nicht mehr weiterging (30 Kilometer die Stunde Schnitt, dauerndes Gerüttel machen echt keinen Spass).

Wir haben dann einfach 10 Meter neben der Straße gepennt. Am nächsten morgen werden wir um halb 8 durch heftiges Geklopfe an die Tür geweckt. Shit denke ich, Polizei, was will die denn?

Aber draussen stehen standen fünf bärtige und wild aussehende Handtuchköpfe und drei Kinder, die völlig neugierung waren. So wild die Jungs auch aussahen, die waren supernett. Nach einer Runde Lebkuchen fanden sie Deutschland super und haben sich auch reingetraut (nur die 3 Ältesten!) und wie sie drinstanden und alles voll interessiert und staunend betrachteten, war plötzlich der Espresso in der Jolly fertig und die drei sind beim dabei entsehenden Zischen und Dampfen fast zu Tode erschrocken, haben sich umgedreht wie ein Mann und sind fluchtartig raus. Danach noch Foto (wir sind quasi bei denen vorm Haus gestanden) und los Richtung Multan.

Auf dem Weg gibts alle paar Kilometer mal Polizeikontrollen. Auf der einen Seite sind die nervig weil immer anhalten, aussteigen, Hände schütteln und Namen, Route, Alter, Passnummer, Kinder, usw. in ein Buch eintragen muss, andererseits sind die eigentlich ziemlich stressfrei, weil die Pakistanis sehr cool, freundlich und hilfsbereit sind. Mann wird auch immer auf einen Tee eingeladen, denn wir immer ablehnen, weil wir haben Termine…Die Kontrolle an dem Morgen war obercool: Militärposten. Lauter grimmige bärtige wild aussehende Pakistanis. Kaum erkennen sie uns als Ausländer, geht ein Gewinke und Gegrüße los und der eine Handtuchkopf kommt auch gleich mit dem Buch angesprungen. Nach dem Eintragen kommt der Kommandant und fragt, ob wir noch ein Photo machen wollen. Klar, why not. Wir stellen uns alle vor die Molly, der Chef sagt noch was zu einem der Jungs und Tom macht das Photo. Ich will wieder zum Auto, aber Kommandant meint ich soll noch kurz warten und dann kommt der Junge mit nem Maschinengewehr und drückts mir für ein weiteres Photo in die Hand. Obercool…

Danach weiter auf der Buckelpiste, wir machen noch schlechte Witze über den Straßenzustand und plötzlich ist die Straße weg. Komplett Nix mehr auf einmal! Ok, Baustelle, hier wird ein neuer Highway gebaut. Mal fährt man auf der alten abgerissen Straße, mal nebendran, mal über Schotter, dann wieder durch ein ausgetrocknetes Wadi. Hier ganz kurz meine Gedanken zur Philosophie des Straßenbaus. Ich denke, es gibt generell 2 Möglichkeiten, wie man Straßen bauen kann, wenn man sagen wir mal 130 Kilometer Straße ausbaut. Möglichkeit 1: man macht die alte Straße auf eine Länge von 5 Kilometern kaputt, baut diese dann aus und leitet den Verkehr diese 5 Kilometer neben der Straße.Möglichkeit 2: man reist die ganze Straße auf und läßt sich dann beim Wiederaufbau ein paar Jahre Zeit. Wir mussten dann feststellen, dass die Pakistanis Möglichkeit 2 anwenden…was 100 Kilometer heftiges offroad bedeuteten. Alles staubig wie Sau, 10 Kmh Durchschnittgeschwindigkeit, ein Geschüttel und Gerüttel und die Sonne brennt rein wie Sau.

Nach ein paar Stunden wirft Robbie mal einen Blick nach Hinten, ob noch alles am Start ist und wir müssen erfahren, dass unser hinteres Fenster die ganze Zeit offen war. Fett. Überall 3 cm Staub….also mussten wir anhalten, mitten in der pakistanischen Steppe um die Karre komplett auszuräumen und alles zu waschen. Superklasse, aber half ja alles nix. Während wir da gerade so anfangen kommen auf der Strasse mitten im Nirgendwo plötzlich 3 alte Handtuchköpfe angelaufen, sagen kurz Hallo und der älterste legt sich gleich unter die Karre und erklärt den anderen fachmaennisch den Vierradantrieb und alles mögliche (Hab kein Wort verstanden, aber der alte hatte anscheinend echt Ahnung von Mercedes). Wir haben den Jungs dann Schokoladenmilch und Wasser angeboten und die sind den ganzen Mittag dagesessen und haben uns beim Putzen zugeschaut und ab und zu mal geholfen. Irgendwann kam auch ein Strassenbauingenieur vorbei, und fragte ob wir Hilfe brauchen. Er kam gerade vom Jagen und hat uns noch einen frisch geschossenen Fasan zum Selberrupfen angeboten, aber wir haben dankend abgelehnt und uns als Vegetarier ausgegeben. Irgendwann hielt auch mal ein ganzer Kleinbus, kam zum Händeschütteln vorbei und einer von denen fragte Robbie nach Whiskey und Kondomen (natürlich nicht für sich, klar, sondern für seinen Freund).

Nach mehreren Stunden Aktion gings dann irgendwann weiter. Der Ingenieur meinte, dass wir immer noch 30 Kilometer Sandpiste vor uns hatten. Na Prost. Das sind wir dann auch noch gefahren (3 Stunden) und haben uns dann an eine noch nicht ausgebaute Tankstelle in einem Lehmhuettendorf gestellt. Ich bin raus, und hab nach Permission gefragt, alles kein Problem.

Am nächsten morgen wieder das gleiche Bild:
Vorm Auto schon das halbe Dorf, voll neugierig aber ganz freundlich. Der eine schließt mir gleich sein Plumsklo auf, bietet mir Tee an und schleppt von irgendwo einen Stuhl für mich in die Sonne. Die Jungs hocken rum, und da es Tom wegen völliger Erschöpfung nicht gut ging, sassen Robbie und ich den ganzen Morgen mit dem halben Dorf vor der inaktiven Tankstelle in der Sonne und tranken Tee. Irgendwann kam sogar der Bürgermeister, sein Sekretär und sein Bruder an die Tankstelle um uns zu begrüßen. Wir hatten stundenlang viel Spass, haben einiges über Pakistan gelernt und der Bruder vom Bürgermeister hat uns von einem Superplatz 40 Kilometer entfernt erzählt.

Fort Munro, ein altes Fort auf einem Berg mit See und Hotels. Da sind wir jetzt auch. Zwar ist hier alles geschlossen (Saison ist hier nur von Mai bis August). Wir haben dann aber doch einen Pakistani gefunden (wahrscheinlich der Hausmeister von einem Hotel in der Offseason). Der hat dann extra für uns aufgeschlossen, lecker Pakistanisch aufgekocht und uns den Boiler der Luxussuite (pakistanisch) angeschmissen. Im Hotel übernachten können wir nicht, da is nix, aber heiss duschen, in der warmen Sonne sitzen und warmes lecker scharfes Essen waren mehr als genug um nach der Buckelpiste zu relaxen. Ein echt Klasse Ort hier.

Zu Pakistan muss auf jeden Fall gesagt werden, dass dieses Land zum Reisen ein echter Geheimtip ist. Die Menschen sehen zwar wild aus, vor allem in Belutschistan, aber sie sind abartig nett, alle winken lachen, rufen, hupen, grüßen. Wir werden überall sehr nett aufgenommen, und wenn wir überall Tee trinken würden wo wir eingeladen werden, würden wir nur 10 Kilometer schaffen. Das Land ist touristisch noch nicht erschlossen, und die Menschen sind noch ganz einfach, ehrlich und gut drauf. Es gibt zwar kaum Infrasrtruktur, aber man wird überwall wo man stehen bleibt zum essen und übernachten eingeladen. Es ist hier ungefähr so, wie ich mir Indien vor 30 Jahren vorstelle. Absolut empfehlenswert! (Allerdings sollte man nur mit einem Fahrzeug reisen, das 4rad-Antrieb hat, eine hohe Bodenfreiheit und mindestens 10 oder 12er Reifen).

Internetverbindung ist echt scheisse bilder kommen demnaechst.

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